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Die Sehschule – Orthoptik

Die Sehschule – Orthoptik

Unter Orthoptik versteht man Einrichtungen an Universitäts-Augenkliniken, an Krankenhäusern, in Augenarztpraxen und in Sondereinrichtungen, in denen Orthoptistinnen / Orthoptisten in Zusammenarbeit mit Augenärzten Bewegungsstörungen der Augen, wie z.B. Schielen mit und ohne Doppelbilder, Augenzittern, Sehschwächen und alle damit zusammenhängenden Krankheitsbilder untersuchen und behandeln.

An einigen Universitäts-Augenkliniken sind spezielle abteilungen für die Schielbehandlung (Strabismologie und Neuroophthalmologie) und für die Lehre und Forschung auf diesem Gebiet eingerichtet. Manchen dieser Kliniken ist auch eine Ausbildungsstätte für Orthoptistinnen angegliedert.

Ursache der Schielens

Kindliches Schielen kann bei familiärer Veranlagung, durch Risikofaktoren während der Schwangerschaft und Geburt, bei allgemeiner Schwächung des Körpers (z.B. bei Infektionskrankheiten) oder durch Fehlen der notwendigen Brille auftreten. Auch organische Augenveränderungen, wie z.B. Linsentrübung oder Verletzungen, können Schielen hervorrufen.

Das kindliche Schielen kann bereits kurz nach der Geburt auffällig werden, aber auch erst im Laufe der ersten Lebensjahre auftreten. Das Sehen und die Zusammenarbeit beider Aufgen entwickeln sich erst in den ersten Lebensmonaten, sind allerdings bis zum Alter von ca. 8 Jahren noch verstärkt störungsanfällig.

Plötzliches Schielen bei Erwachsenen, häufig begleitet von Doppeltsehen, entsteht z.B. durch Augenmuskellähmungen oder die Manifestation eines vorher bestehenden verborgenen (latenten) Schielens.

Auch nimmt die Zahl der Patienten mit belastungsabhängigen Störungen im beidäugigen Sehen deutlich zu, was auf die wachsenden Anforderungen an das Sehen (z.B. in der Schule oder bei der Arbeit am Bildschirm) zurückzuführen ist. Diese Störungen machen sich z.B. durch Kopfschmerzen, Lesestörungen, schnelles Ermüden der Augen, Konzentrationsschwäche usw. bemerkbar.

Alarmzeichen:

  • Schielen
  • Augenzittern
  • Schiefhalten des Kopfes
  • Vorbeigreifen
  • Ungeschicklichkeiten (Stolpern, Anstoßen)
  • häufiges Blinzeln, Zwinkern, Zukneifen der Augen
  • Lesen „mit der Nase“
  • Lesestörungen
  • Unlust am Lesen
  • Konzentrationsprobleme
  • Klagen über Doppelbilder, Kopfschmerzen, Augenbrennen, Verschwommensehen

Beidäugige Doppelbilder bei Augenbewegungsstörungen

Beidäugige Doppelbilder (= binokulare Diplopie) werden verursacht durch Fehlstellungen der Augen, durch ein Schielen (= Strabismus). Dieses kann zeitweise oder dauerhaft auftreten. Es kann tageszeitlich bedingt auftreten, z.B. morgens bei Belastung oder abends bei Müdigkeit. Sehr oft tritt es nur in bestimmten Blickrichtungen auf, z.B. immer bei Rechtsblick oder nur im Aufblick, oder aber es kann entfernungsabhängig sein. Wenn Sie diese Doppelbilder beobachten, gehen Sie sicher, dass sie verschwinden, wenn Sie sich ein Auge zuhalten, und zwar sowohl wenn Sie sich das linke als auch das rechte Auge zuhalten. Zur Diagnosestellung ist es hilfreich, wenn Sie genau beobachten, wann und wie die Doppelbilder auftreten und wann Ihnen die Störung das erste Mal aufgefallen ist. Doppelbilder müssen in jedem Falle augenärztlich – orthoptisch abgeklärt werden! Welche weitere Abklärung bei anderen Fachärzten erforderlich wird, hängt von den Befunden ab.

Finden sich Störungen in der Augenbeweglichkeit oder den übergeordneten Sehfunktionen, wird Ihr Augenarzt in Zusammenarbeit mit seiner Orthoptistin entscheiden, welche weitere Diagnostik durchgeführt werden sollte. Es ist von folgenden Untersuchungsergebnissen abhängig: Bei der Untersuchung der Augenbeweglichkeit wird vor allem geklärt werden, ob nur ein Auge Einschränkungen hat oder beide Augen. Ist die Störung nur an einem Muskel oder an mehren Augenmuskeln, sind evtl. alle Funktionen eines Hirnnerven betroffen? Oder sind evtl. mehrere Hirnnerven oder Regionen des Gehirn beteiligt? Die Entscheidung wird davon abhängen, ob „nur“ Augenbewegungsstörungen vorliegen oder auch Beeinträchtigungen der Sehschärfe oder des Gesichtsfeldes (peripheres Sehen), sowie mögliche Veränderungen an den vorderen Augenabschnitte oder / und am Augenhintergrund (Fundus). Darüber hinaus sollte der Allgemeinzustand des Patienten und vorherbestehende Erkrankungen mitberücksichtigt werden.

Aus dieser komplexen Aufzählung dürfte deutlich werden, warum eine detaillierte Auflistung, welche Ärzte aufgesucht werden müssen, nicht erfolgen kann. Es hängt individuell von den bestehenden Symptomen ab. Zu folgenden Ärzten folgen häufig Überweisungen: Hausarzt, Internist, Neurologe, Radiologe. Es ist wichtig, dass Sie die vorgeschlagenen Ärzte konsultieren, damit die Ursache der Erkrankung behandelt werden kann und um weiteren Verschlechterungen vorzubeugen.

Mögliche Ursachen für Doppelbilder können sein: Augenmuskellähmung (/en) (Parese /n) durch internistische Krankheitsbilder wie z.B. Bluthochdruck oder Diabetes. Augenmuskellähmungen verursacht durch zentrale Störungen, ausgelöst durch z.B. einen Schlaganfall oder einen raumfordernden Prozess. Augenmuskelveränderungen durch Autoimmunprozesse wie z.B. Schilddrüse. Entzündungen der Augenmuskeln. Deswegen steht die Diagnostik primär im Vordergrund – die wirkungsvollste Therapie ergibt sich oft erst aus den anderen Fachbereichen. Trotz umfangreicher Diagnostik ist es nicht in allen Fällen möglich die Ursache zu klären, für den Patienten sind aber therapiebedürftige Grunderkrankungen ausgeschlossen.

Welche augenärztlich- orthoptische- Therapie ist möglich?

  • Optimale Brille (/n), häufig sind zwei separate Brillen für den Fern- und Nahbereich sinnvoll.
  • Treten die Doppelbilder nur in einer bestimmten Blickrichtung auf, ist diese zu meiden, oder besser noch den Kopf in diese Richtung drehen (Kopfzwangshaltung).
  • Sind die Doppelbilder persistierend da, können Prismenfolien erprobt werden, der Schielwinkel kann damit oft für die Hauptblickrichtung auskorrigiert werden, d.h. der Patient ist bei Blick geradeaus doppelbildfrei – evtl. wird zusätzlich die Einnahme einer Kopfzwangshaltung erforderlich. Nicht immer klappt der erste Versuch, die Anpassung ist zeitaufwendig und erfordert sehr viel Geduld von dem Patienten und dem Untersucher. Wenn nach einer Zeit mit der Folie erneut Doppelbilder auftreten, muß unbedingt eine Kontrolle erfolgen, die Ursache liegt häufig in einer Befundänderung, häufig in einer Verbesserung, evtl. muß die Stärke der Prismenfolie geändert werden.
  • Evtl. sind für den Fern- und Nahbereich verschieden Prismen erforderlich.
  • Lassen sich die Doppelbilder prismatisch nicht beseitigen, kann das Doppelbild mit Hilfe eines Augenpflasters oder einer speziellen Folie für die Brille vermieden werden (Okklusion).
  • Ophtalmologisch- orthoptische Kontrollen sollten alle vier bis zwölf Wochen erfolgen oder bei Befundänderung.
  • Eine Befundänderung ist über einen längeren Zeitraum zu erwarten, deswegen braucht der Patient Geduld. Erst wenn der Befund über mindestens sechs Monate unverändert bleibt, kann über eine langfristige Therapie nachgedacht werden. Diese könnte bei erfolgreichem Prismenausgleich bis zu einem gewissen Grad in einer eingeschliffenen Prismenbrille bestehen oder aber bei einer größeren Störungen mit Hilfe einer oder mehrerer Schieloperation(en) erfolgen.
  • Wir weisen Sie hiermit ausdrücklich darauf hin, dass Auto-Fahren mit Doppelbildern vom Gesetzgeber her verboten ist.

Zertifiziert und geprüft

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